Bäume in Wolfersheim

Beim Dorfwettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ / „Unser Dorf hat Zukunft“ wurde Wolfersheim mehrfach mit den höchsten Auszeichnungen prämiert. Dies nicht zuletzt wegen des Dorfgrüns und des Baumbestandes entlang der Ortsdurchfahrt.

In der vergangenen Woche kam Wolfersheim mit einer spektakulären Baumrettungsaktion in die Schlagzeilen. Es soll ausgerechnet einer der ortsbildprägenden Bäume – eine um 1950 von Herbert Eifler gepflanzte Eiche – gefällt werden.

Als Ortsvorsteher unseres schönen Dorfes bin ich der Letzte, der möchte, dass ein Baum entlang der Ortsdurchfahrt gefällt wird. Natürlich gibt es Gründe, die eine so radikale Lösung nötig machen: Schädlingsbefall, Krankheiten, Gefährdung der Standsicherheit oder wie im aktuellen Fall die Beschädigung anliegender Wohnhäuser.

Derzeit wird diskutiert, ob ein Rückschnitt des Baumes eine Fällung verhindern bzw. aufschieben könnte. Daneben muss man auch eine Kürzung der Wurzeln, die das Mauermerk beschädigen, in Erwägung ziehen. Allerdings darf dabei die Standsicherheit des Baumes nicht außer Acht gelassen werden.

Unabhängig davon, wie sich der Fall mit der Eiche in der Dorfmitte weiterentwickelt, werden wir in Wolfersheim künftig öfter mit einer solchen Problematik konfrontiert. Als zuständiges Gremium muss der Ortsrat eine Lösung zum Erhalt unseres Ortsbildes entwickeln, ohne die Interessen der Eigentümer zu vernachlässigen.

Mit Unterstützung der Stadtverwaltung wird in Wolfersheim möglichst zeitnah eine Informationsveranstaltung für alle interessierten Einwohner ausgerichtet. Hier werden zwei Themenschwerpunkte behandelt werden: Erstens soll ein Experte über die Auswahl geeigneter Hausbäume referieren. Eine Eiche mit ihren Ausmaßen ist keineswegs eine günstige Wahl für eine Pflanzung innerhalb einer Ortschaft. Wir brauchen fundierte Antworten auf Fragen der Standortwahl und die zu erwartenden Ausmaße. Auch die mit dem Klimawandel einhergehenden, längeren Trockenperioden machen unseren Bäumen zu schaffen. Hier kann bereits durch eine passende Baumauswahl gegengesteuert werden.

Teil zwei der Informationsveranstaltung beschäftigt sich mit dem Thema Baumschutzsatzung. Ein Fachmann stellt die Argumente, die für und gegen eine solche Satzung sprechen, vor. Der Stadtrat hat sich bereits 2016 gegen eine Baumschutzsatzung für das ländlich geprägte Stadtgebiet entschieden. Durch die Veranstaltung soll die derzeit sehr emotional geführte Diskussion zurück auf die Sachebene gebracht werden.

Dem Ortsrat schlage ich in seiner nächsten Sitzung vor eine „Hausbaum-Förderung“ zu schaffen. Im Sinne der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes sollen Neupflanzungen geeigneter Hausbäume gefördert werden. Die Idee richtet sich an alle Wolfersheimer, die sich für den Erhalt unserer Dorf- und Hausbäume einsetzen und einen Beitrag für unser attraktives Dorfbild leisten möchten.

Matthias Seel (Ortsvorsteher)